Diskriminierung, rufe ich!

Väter, erhebt euch, denn ihr seid für eure Kinder genauso wichtig, lasst euch von der Gesellschaft doch nicht einreden, dass ihr das nicht könnt. Ich surfte gerade unbedarft in den Weiten des Internets, denn wir möchten am Wochenende mit unserem Einjährigen endlich mal ins Schwimmbad gehen und ich wollte wissen ob eine Schwimmweste oder Schwimmflügel besser für den kleinen Wildfang sind. Dabei stieß ich auf die Seite Hallo-Eltern.de. Sehr viel versprechend, so an sich, irgendwas mit Eltern, irgendwas in Bunt, schlechte Texte, Kommentare von Muttis wie “Also bei uns war das nicht so!” oder “Uns hat es auch nicht geschadet”. Alles normal. Wenn man im Internet regelmäßig nach Informationen sucht bekommt man gegenüber Dummheit ein dickes Fell. Leider hat sich meine Forderung nach einem Internet-Führerschein nicht bis in die Politik herum gesprochen. Aber heute hat etwas mein Internetblödheits-Schutzschild durchbrochen: DER SPIELPLATZ-GUIDE FÜR VÄTER

Bitte, was? Sehr verehrte Betreiber dieser Schundseite, warum muss es ein “Spielplatz-Guide für Väter” sein? Ein normaler Spielplatzguide hätte es durchaus auch getan. Sicher gibt es Menschen, die vielleicht mit der Kindererziehung etwas sehr überfordert sind und für die der Hinweis, dass ein Kind etwas zu trinken braucht und man ein Kind trösten muss, wenn es hinfällt. Aber nein, das passiert nur Vätern. Danke auch für den Hinweis, dass ich mich nicht beweisen soll, so durchdacht, dass ich das nun wiedergeben möchte

“Ja, manche Mütter können gleichzeitig Kinder betreuen und nebenher Wäsche bügeln und dabei noch Kekse backen. Aber Sie müssen nicht beweisen dass sie als Mann gleichzeitig mit den Kindern auf dem Spielplatz spielen und nebenher noch wichtige geschäftliche Transaktionen per Telefon durchführen können.”

Wer auch immer, diesen Artikel verfasst hat, ich möchte Ihnen hiermit höflichst mitteilen, dass Sie ein Arschloch vor dem Herren sind. Ebenso möchte ich mich für den Hinweis bedanken, dass ich keine Ratschläge über die Coolnes fremder Sandburgen machen solle. Lieber Verfasser, ich bin Architekt und verstehe vielleicht etwas mehr von Logik und Statik, vielleicht ist es förderlich für mein Kind wenn ich ihm erkläre, warum jetzt der nasse Sand besser hält als der trockene. Aber lieber nicht, am Ende präge ich mein Kind noch, dass Männer besser in Naturwissenschaften sind und ich könnte so seine Karriere als Autor von erotisch-romantischen Liebesromanen zerstören. Das kann ich nicht verantworten.

Als Vater stößt man an Grenzen, vor allem an die Grenzen des Hinnehmbaren. Mutter-Kind-Parkplätze. Ich stelle mich inzwischen demonstrativ dorthin. Manchmal hupe ich sogar den dort fälschlich parkenden Rentner solange an, bis dieser seinen Fehler bemerkt, dann stelle ich den Motor ab, hole das Kind unter viel Tamtam aus dem Kinder sitz nur um dann den gesamten Parkplatz mitzuteilen, dass ich nun den Wocheneinkauf völlig alleine erledigen werde. Der Vater ist in der Gesellschaft nur als Ernährer akzeptiert, besonders von Müttern. Danke fürs Gespräch. Selbst die Verkäuferin eines Ladens für Babytragen, sie wissen schon liebe männlich Vater-Kollegen, diese Vorrichtungen, die sich unsere Frauen umschnallen um beide Hände zum Wäsche zusammenlegen frei zu haben, schaut mich schief an, als ich erzählte, dass ich immer Kreuzschmerzen bekomme, wenn ich mit unserem Tragetuch unterwegs bin. Alles ist auf Mutter und Kind ausgerichtet. “Oh sie gehen in Elternzeit, zwei Monate bezahlter Urlaub, das hätte ich auch gern.” Aha. Danke. Eine schwangere Kollegin erzählte kürzlich, dass Sie sich nachts immer alleine um das Kind kümmern möchte, weil der Mann ja am nächsten Tag wieder sein schweres Tagwerk im Büro verrichten müsse. Ich übernehme seit der Geburt vor über einem Jahr jede verdammte Nacht, weil wir eine besondere Familie sind. Weil uns viel Schlimmes passiert ist und meine Frau ohne Kompressionsstrumpf nicht aufstehen darf. Mich macht es wütend, dass man dem Mann die Fähigkeit abspricht sich alleine um das Kind zu kümmern. Ich war von der zweiten bis zur vierten Lebenswoche unseres Sohns jede Nacht mit ihm allein.  Man stelle sich vor, er ist weder gestorben noch hat er ein Trauma davon getragen.

Man wünscht sich eine Gesellschaft in der alle Menschen gleich sind. Frauen sollen so viel verdienen wie Männer in den gleichen Positionen. Und Väter sollen so wichtig sein wie Mütter. Sexistische Kackscheiße, rufe ich!

256 mb

Mein erster MP3-Player hatte eine Speicherkapazität von 256 mb. Darauf passten ungefähr zwei komplette Alben. Oder drei Punk-Alben. Was damals meine favorisierte Musik war. Davor hatte ich einen Diskman. Für diesen besaß ich ungefähr neun CDs, davon zwei Compilations. Und meine erste tragbare Musik war mein Sony Walkman. Der Klassiker. Ich hab ihn geliebt. Ich habe Stunden damit verbracht Mixtapes von Schallplatten und CDs zu ziehen um sie am nächsten Morgen im Schulbus zu hören. Jede Kassette hatte ihre einmaligen Besonderheiten. Ein besonders kurze Pause zwischen zwei Songs, einen Song der in der Mitte endet, weil das Tape voll war oder ein Knistern an eine bestimmten Stelle, weil ich die Kassette schon so oft überspielt hatte.

Meine Musik war damals nachhaltiger. Ich hab mich intensiv mit einem Album beschäftigt. Ich hab jeden Song verinnerlicht und wochenlang die selben Songs immer und immer wieder gehört. Heute langweilen mich Alben die ich mir in Itunes zugelegt habe schon nach wenigen Tagen. Das neue Foo Fighters Album ist gut, trotzdem habe ich es nur ungefähr zwei Wochen wirklich intensiv gehört. Seitdem verstopft es den Speicher meines iPhones und ich hab bestimm seit einer Woche nicht einmal mehr daran gedacht es zu hören. Schade eigentlich. Ich habe zu viel Musik und zu viele Möglichkeiten. Ich habe Spotify und 12396 Songs in meiner Cloud.

Nun steht mal wieder ein neues iPhone ins Haus, weil mein Handyvertrag endet und irgendwie war mir klar, dass ich unbedingt 64 GB Speicherplatz brauche, dass dieses nervige Verwalten meiner Vielen Musik ein Ende hat und ich sämtliche Klassiker und neue Alben immer dabei habe. Aber warum reichen mir keine 256 mb mehr um mein Bedürfnis nach Musik zu decken. Ich denke es hat mehrere Gründe. Zum einen ist Musik inflationär geworden. Jeden Monat kommt ein “TOP-Album” heraus. Musik wird günstiger. Ich hab mehr Geld dafür zur Verfügung. Zu den Zeiten als in meiner Hosentasche noch mein silberner Plastikklumpen überall dabei war hatte ich absolut gar kein Geld für Musik und das Internet war noch nicht soweit, dass man unbegrenzt Zugriff auf alles hatte.

Ich finde es nicht schlecht, dass ich nicht mehr beim Plattenladen warten muss bis endlich die Lieferung mit dem Album auf das ich seit Monaten erwartet habe. Ich bin froh, dass ich mich nicht mehr um Kratzer, Sprünge und verlorenen Booklets rumschlagen muss. Aber irgendwie hat es das auch besonders gemacht. Zu viel schmeckt irgendwann nicht mehr.

Durch die Gegend rennen ist doch kein Sport…

Vergangenes Jahr im November musste ich zwei Wochen auf Lehrgang nach München. Ich war gerade ziemlich engagiert und begeistert am trainieren im Fitnessstudio. Das erste Mal in meinem Leben machte ich überhaupt Sport, ohne dass mich ein Erziehungsberechtigter dazu zwingen musste. Um meinen Trainingserfolg nicht zu verlieren wollte ich während der zwei Wochen in München laufen gehen. Ich konnte mich noch daran entsinnen, dass ich vor einem halben Leben mal laufen war. Damals war ich fett. Ich war nämlich fast mein ganzes Leben fett. Es war die Hölle auf Erden damals. Wie heute. Laufen ist die Hölle! Zumindest wenn man gerade damit wieder anfängt.

Unsere fetten, faulen Körper sind nicht mehr darauf eingestellt, dass wir uns schnell bewegen müssten, dementsprechend wehrt sich ein Körper wenn man völlig ohne Grund anfängt zu rennen. Nach ungefähr 250 Metern, also fast einer Halbmarathondistanz für einen faulen Fett, habe ich gedacht meine Lunge springt mir gleich aus der Brust. Nach zwei Kilometern drehte ich um. Alles schmerzte. Spaß ist etwas anderes. Im Verlauf der zwei Wochen habe ich es geschafft meine Laufdistanz auf 5 Kilometer zu erhöhen. 1 km joggen. 500 Meter völlig zerstört, japsend gehen. Aber ich war stolz, als hätte ich gerade einen Weltrekord  gebrochen.

Heute ist seit diesem Lehrgang ein Jahr vergangen. Ins Fitnessstudio gehe ich nicht mehr. Die Laufschuhe schnüre ich noch. Fett bin ich fast nicht mehr. Ich bewege mich in Richtung Idealgewicht. Meine Hosen passen mir nicht mehr. Meine Hemden hängen an den Schultern. Mein Bart ist lang geworden. Inzwischen laufe ich 10 km, bergauf, bergab und danach bin ich bester Laune. Am 3. Mai werde ich meinen ersten Halbmarathon laufen. Nicht gefühlt, sondern wirkliche, schmerzhafte 21,0975 Kilometer und ich will sie unter 2 Stunden und 15 Minuten hinter mich bringen. Das heißt ich darf pro Kilometer höchsten 6 Minuten brauchen.

Laufen macht mich glücklich. Ich bin in der Natur. Ich bekomme den Kopf frei. Ich selbst fühle mich frei. Ich lerne meine Stadt völlig neu kennen, denn ich habe den Tick nie eine gleiche Strecke zwei mal zu laufen. Durch die weiten Distanzen, die ich inzwischen als Trainingsrouten laufe komme ich in die glückliche Position, dass ich erfinderisch werden muss. Ich lerne Ecken, Winkel und Gassen kennen, von denen ich nicht wusste, dass es Sie gibt. In diesen 60 Minuten in denen ich durch die Nacht renne bin ich sorgenfrei.

Der Klaviernachbar

Ich mag Musik wirklich gerne. Auch klassische Musik. Im besonderen Piano-Jazz. Und ich mag meine Ruhe. Zudem wohnen wir in einem alten Mietshaus (noch!) und einer unserer Nachbarn spielt gerne Klavier.

Der liebe Herr Klaviernachbar ist vor ungefähr 1,5 Jahren hier eingezogen. Wir lagen eines schönen Samstagmorgen in unserem Bett, es war so ca. 15:00 Uhr, ja wir waren damals noch in freudiger Erwartung, als wir plötzlich durch die Wand von “Für Elise” geweckt wurden. Stellten so also fest, dass wohl entweder ein neuer Nachbar ins Haus gezogen ist, oder jemand von den Alten sich ein neues Hobby gesucht hat. Meine Frau hatte in der Schwangerschaft mit brutaler Übelkeit zu kämpfen und wenn sie nicht gerade im Strahl kotzte lag sie im Bett und versuchte sich vom Kotzen zu erholen. Im Zuge dieser Entwicklung stellte sich heraus, dass unser hochverehrter, musikalisch ambitionierter Nachbar im Schichtbetrieb in der Industrie Kranführer war und somit auch im Schichtbetrieb schief vor sich hin klimperte. Extrem nervig. Aber nun ja so lange er unseren Nachtschlaf damit nicht störte haben wir uns nicht weiter darüber geärgert. Aber jetzt lebt hier in unserer Wohnung auch ein Baby, welches inzwischen bekannt dafür ist kein großer Freund von Schlaf zu sein. Und Schlafentzug macht verdammt aggressiv.

Ich habe den Klaviernachbarn wenn ich ihn am Gang getroffen habe immer wieder freundlich darauf hingewiesen, dass es echt nicht cool ist, nachts um fünf Klavier zu spielen. Er hat sich dann jedes mal total ehrlich entschuldigt und Besserung versprochen. Aber anscheinend ist Pianomusik sein Heroin und ohne nicht mindestens 8 Stunden am Tag zu “für Eliese” oder “der Flohwalzer” zu klimpern bekommt diese Person wohl Coldturkey.

Irgendwann als ich bei Nachbarn auf eine Flasche Bier eingeladen wurde erschlich ich mir seine Handynummer und seither muss ich nicht mal mehr das Bett verlassen um mich wie ein Spießer aufzuführen. “HEY DU VERDAMMTER HIPPIE, DEIN KLAVIER IST ZU LAUT!”

Nun ziehen wir eigentlich bald aus und es könnte und egal sein. Aber seine neuste Marotte ist es immer dann wild an dem Tasten geil zu performen wenn unser Sohn gerade schlafen will. Was dazu führt das ich ihm eine nette SMS schreiben muss. “Hey der Kleine schläft, kannst du bitte aufhören zu spielen? oder ich reiß dir den Kopf ab und scheiss dir in den Hals!

Er findet das natürlich gar nicht toll und neuerdings hat es sein, von Drogen etwas aufgeweichtes, Gehirn auch geschafft mal die Hausordnung zu lesen. Denn als er Sonntagabend mal wieder fein Performance an den Tag legte, als unser kleiner Mensch gerade seinen Nachtschlaf antreten wollte und ich ihn doch mal um Verständnis bat quasselte mir sein ungepflegtes Gesicht “Ey Alter, in der Hausordnung steht aber ich darf bis 20 Uhr spielen, ok!” entgegen. Was will man da sagen, wenn in der Hausordnung steht dass der hässliche Hundefick bis 20 Uhr klimpern darf dann ist wohl auch ein Appell an den gesunden Menschenverstand und für das Wohlbefinden eines Kleinkindes vergebens.

Ich zumindest habe nun einen Menschen mehr auf meiner Liste brennenden Hasses und schmiede wilde Rachefantasien. Und eigentlich alle haben mit Kinderkot zu tun.

Hilfe! Freizeit!

Da sitze ich nun auf meiner Couch, in unserer Wohnung und habe Freizeit. Völlig unerwartet, völlig ungeplant. Zeit, für mich, alleine. Ich bin alleine. Ich kann selbstbestimmt mit meiner Zeit anfangen was ich möchte. Und mir fällt nichts ein.

Angefangen hat alles vor ungefähr zwei Wochen. Meine Frau teilte mir mit, dass Sie gerne mal eine Schnupperstunde Yoga machen möchte. Der Kurs wäre immer Montagabend und sie wolle wissen, ob ich mir vorstellen könnte montags das Kind selbstständig zu versorgen. Kurz musste ich lachen und dachte “Oh Gott, einer von uns beiden wird in ihrer Abwesenheit bestimmt zu spontaner Selbstentzündung neigen!”, doch dann wurde mir klar, dass die größte Gefahr wohl eher darin bestehen würde, dass sich dieses kleine Wesen in einen Fäkalienvulkan verwandeln könnte und ich keinen Wickelprofi an meiner Seite hätte, der mich coachen kann. Scheißewindeln sind meine Nemesis. Würgend das Kind vorm Absturz vom Wickeltisch abhaltend rufe ich meistens um Hilfe. So wechsle ich die kleinen, braunen Geschenke, nämlich am liebsten gar nicht.

Also willigte ich ein, mir wohl bewusst, dass wahrscheinlich an diesem Abend, just in unserer Wohnung der Golgothaner beschworen werden wird, meiner Frau einmal in der Woche einen Abend frei zu schaufeln, an dem sie mal wieder ein normaler Erwachsener sein darf. Den Effekt, dass das Kind allerdings schon zwischen 19 und 20 Uhr seinen Nachtschlaf antritt hatte ich dabei irgendwie vergessen. Als wir spielten also gerade Lego, ich habe dank des Startersets Lego Duplo meine Liebe zum Bauen wieder entdeckt, da signalisierte mir dieser zu klein geratene Mitmensch, der sich im Allgemeinen als mein Sohn bezeichnet, durch penetrantes Augenreiben, dass er nun schlafen möchte. Was jetzt folgte kannte ich schon. Irgendwie an ein wild strampelndes Kind einen Schlafanzug anbringen und mit einer Hand schnell noch seine Milch zubereiten. Jetzt möglichst schnell das Zimmer völlig verdunkeln, am besten in die Minen von Moria hinunterfahren, wo kein Licht mehr das Auge erreicht und dann bei völliger Blindheit den Schnuller entfernen und das Kind mit Milch betanken. Klappte soweit ganz gut. Allerdings verwechselte das Kind seinen Magen mal wieder mit einem Dieselmotor und saugte die komplette Flasche mit einem Elan aus, dass er prompt Schluckauf bekam. Liebe Freunde, glaubt mir eins, ein müder Säugling und Schluckauf ist kein Spaß. Stalingrad war Spaß, aber Schluckauf am Kind das schon halb schläft, dass ist Krieg! Aber ich habe es überlebt. Ich musste nur 1,3 Todesmärsche durch das verdunkelte Schlafzimmer gehen bis der Schluckauf zu ende war.

Ja und dann stand ich in der hell erleuchteten Küche und fragte mich was ich nun mit mir anfangen sollte. Meine Augen vielen auf einen Stapel Papier. Rechnungen, Papierkram, Versicherungen, alles was man eben so nicht gerne macht, weil man das den ganzen Tag im Büro macht. Ich holte mir also Locher und Tacker und begann zu sortieren. Schneller als erwartet war was sich drei Wochen lang aufgestaut hatte erledigt. Ich beschloss Musik zu hören, die meine Frau normalerweise als “wahnsinnige schreckliches Gedudel” bezeichnet, der Genre-Kenner bezeichnet das als Post-Rock. Wir sind uns musikalisch eigentlich immer einig. Nur teilt sie meinen Liebe für progressiven Lärm nicht so sehr. Ja, also auf die Couch und Godspeed You! Black Emperor aufgelegt. Nach kurzer Zeit wurde mir hierbei jedoch fad. Also nahm ich dieses Buch das mich seit April quält. Letzten Winter las ich nämlich Schätzings Limit und fand es ganz vorzüglich, B-Movie-esker Sci-Fi-Thriller, mit Atombomben, ganz große, deutsch Trash-Literatur. Und weil ich Limit so super fand hatte ich mir schon im Januar den neuen Roman Breaking News bestellt. Ja und seit dem lese ich immer zwei Seiten darin, bis ich ihn wütend zu schlage, mich ärgere dafür Zeit und Geld verschwendet zu haben, aber mich über mein Prinzip ein Buch immer zu ende zu lesen nicht hinwegsetzen kann oder will. Stur sein ist mein großes Hobby.

Schließlich blieb mir nur noch der letzte Strohhalm. Das was ich am besten kann, Zeit im Internet verblödeln. Im Prinzip das was ich in vier Jahren Studium gelernt hatte. Unproduktiv sein. So entstanden die vergangenen 666 Wörter! Toll! Vielleicht mach ich das jetzt wieder öfter während meine Frau durchs Yoga unheimlich gelenkig wird hacke ich wöchentlich Stumpfsinn in dieses Internet hinein. Freizeit-Gestalltung at his best!

Das verstehst du erst wenn du ein Kind hast…

Ich bin es leid. Ein Kind verändert einfach alles. Nichts mehr funktioniert so wie früher. Man hat weniger Zeit, und wenn man die Zeit hat, dann nicht mehr für das was man bevor man Eltern wurde gemacht hat. Ich bin es leid, dass man mit mir diskutieren will, warum ich keine Zeit habe mal auf ein Stündchen ein Bier trinken zu gehen. Ich bin es leid andere Eltern in Schutz nehmen zu müssen, weil die vielleicht mal nicht die Zeit haben in die Kneipe zu kommen, zu zocken oder beim Brettspielnachmittag teilzunehmen. Vielleicht völlig unerwartet Verabredungen absagen. Ich weiß es klingt zum kotzen, aber kriegt mal ein Kind und dann können wir gerne diskutieren.

Und nein, das Argument “Das Elternpaar XY kriegen das doch auch hin!” ist nichts wert. Vielleicht kriegen XY das hin und sind übermenschliche Monster, die nur dafür da sind um Kinder so nebenbei zu erziehen, oder sie sind einfach schlechte Eltern und scheißen auf alles, oder haben den familiären Background und werden stark unterstützt. Wir sind eben keine Übermenschen. Wir sind ganz normal. Latent überfordert und immer im Stress. So ist das bei jungen Eltern.

Lebt euer kinderloses Leben. Seid Single. Ich bin gerne verheiratet und Vater. Mit allen Konsequenzen daraus. Ich bin es gern. Ihr könnt das nicht verstehen, weil ihr noch in einer anderen Lebensphase seit. Ihr wollt dieses Leben vielleicht nicht. Ich will es. Ich hab mich bewusst dafür entschieden. Deswegen treffe ich mich vielleicht manchmal lieber mit Menschen, die das verstehen, bei denen ich mich nicht rechtfertigen muss wenn ich keine Zeit habe, früher nach Hause muss oder mich darüber unterhalten kann wie anstrengend es ist mal eine ganze Nacht nicht zu schlafen, weil dein Kind krank ist.  Ich bin es leid, mich immer dafür rechtfertigen zu müssen, dass sich mein Leben verändert hat.

Meint ihr nicht auch, ich hätte mir es vielleicht etwas anders vorgestellt? Meint ihr, ich habe bevor das Kind geboren wurde gedacht, dass es so wird? Ich bin froh wenn ich einmal die Woche eine Stunde zum Joggen finde oder Zeit für eine Folge Game of Thrones mit meiner Frau finde. Verabredungen, Kneipenabend und Konzerte bedürfen mit einem Kind extrem viel Aufwand, Vorbereitung und Planung. Da kann man nicht rational diskutieren, wie erkläre ich einem Säugling, dass er jetzt nicht mehr weinen darf und dass er genau heute mal pünktlich ins Bett muss. Aber das versteht man erst selbst ein Kind hat. Liebe Freunde ohne Kinder, wenn es bei euch soweit ist, dann habt ihr die, die ihr heute nicht versteht, als die die eure Situation verstehen. Vielleicht könnt ihr euch das mal vor Augen halten. Oder ihr scheißt drauf und akzeptiert, dass wir nicht mehr die sind die wir mal waren.

Es entsteht ein Zuhause

Viele haben schon mitbekommen, dass sich bei uns einiges tut. Wir bauen ein Haus. Wir erschaffen ein Zuhause. Es ist ein Unterschied ob man in sein Wohnung kommt oder ob man in sein Heim kommt. In einem früheren Post konntet ihr sehen wie es aussah als wir das Haus bekommen haben. Seitdem sind drei Monate vergangen und das Haus ist momentan viele Tonnen leichter.

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Als die Räume dann leer waren ging es los mit den technischen Lösungen die wir finden mussten/müssen. Im gesamten Haus sind alle Elektroleitungen ohne Schutzleiter verlegt und teilweise etwas chaotisch.

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Parallel wurde schon die neue Installation begonnen, hier entsteht unser neues Bad.

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Und bevor nun die Schlechtwetterperiode kommt mussten wir noch das Dach fertig bekommen, also ging es Schlag auf Schlag, erst der Abbruch,

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Und dann kam das neue Dach auf unser Häuslein,

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und dann kamen Freunde und Familie und haben noch mal so richtig mit angepackt um die alten Fehlböden rauszuschaffen und das Haus noch mal ein paar Tonnen zu erleichtern

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Nun fangen die Firmen an unser Haus professionell weiter zu bauen. Ich würde am liebsten bei allen Gewerken mitarbeiten, weil es mir unglaublich Spaß breitet mich im Haus zu verwirklichen. Ich freue mich auf den Tag wenn ich durch unser Haus gehen kann und genau weiß, welchen Stein, welche Mauer, welches Brett ich dort bearbeitet habe. Ich freu mich auf das was da entsteht. Ein Zuhause für meine Familie. Ein Ort an dem uns unsere Freunde gerne besuchen. Eine Stätte der Zusammenkunft. Mit Liebe gebaut.