Wachstumsschub, my ass!

Wenn man Kinder hat, oder gerade ein Kind kriegt, oder Freunde hat die entweder eins haben, kriegen oder machen, wird man auf kurz oder lang auf das Buch “Hilfe, ich wachse!” bzw. ähnliche Ratgeber stoßen, die sich mit sogenannten Wachstumsschüben beschäftigen. Ich sage, das ist der größte Mist!

Unser kleiner Sohn, den die treuen Leser von Twitter als Babyhut kennen, ist jetzt 18 Wochen alt. Die Wachstumsschub-Anhänger sprechen in der Zeit von der 15 bist zur 20 Woche immer wieder von diesem ganz schlimmen Schub. Bullshit! Unser Sohn erfreut sich bester Laune. Schläft durch und weint viel weniger als sonst. Außer in der letzten Woche. Montag war er sehr quengelig, wollte nicht auf die Spieldecke und sowieso nur getragen werden. Da man ja von überall von diesen alles erklärenden Schüben liest gleich mal in die Tabelle geschaut.
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Ah, Ohja, natürlich, ein Wachstumsschub, deshalb die schlechte Laune, was auch sonst. Damit machten wir uns keine Sorgen und lassen uns das zweite Mal von dieser dummen Theorie blenden. Beim ersten Mal hatte er eine Blasenentzündung und wir schoben das quengeln und jammern auf den 8-Wochen-Schub und dann waren seine Nierenbecken entzündet und diesmal, siehe da, ein viraler Infekt, nur das dieser sich erst Tage später mit Fieber und Schnupfennase bemerkbar machte. Armer Kerl, haben wir Großen uns mal wieder von einer Halbwissenschaft blenden lassen und übersehen, dass es die nicht gut geht.

Wer Kinder hat, der weiß, dass eigentlich immer irgendwas ist. Wir haben Bekannte, die man immer fragen kann wie es der Kleinen gerade geht und immer zur Antwort bekommt “Ach, die ist gerade wieder im Wachstumsschub!”. Verdammt noch mal, das erste Lebensjahr ist höllisch anstrengend, die Kinder kennen sich selbst nicht aus und können Unmut und Schmerzen nicht anders als durch weinen ausdrücken, für was braucht man da Tabellen und Diagramme mit Blitz und Donner und manchmal einer lachenden Sonne? Soll das etwas psychologisches für die Eltern sein? “Haltet durch ihr armen, überforderten Eltern, es ist nur ein Schub, euer Kind ist nicht krank, es wächst nur!” Was ist aber wenn das Kind dann krank ist und man sich das Mantra “Erwächstnurundesistbaldvorbei.Erwächstnurundesistbaldvorbei.Erwächstnurundesistbaldvorbei…” zu oft hat vorbeten lassen und dann übersieht, dass man da eine Krankheit hat? Kinder wachsen immer und lernen jeden Tag hunderte neue Dinge. Ich bin diese Ratgeber leid. Ich bin Ratschläge leid. Ich bin fadenscheinige Theorien leid. Ich bin dieses ganze verharmlosen und erklären leid. Ich bin Beikostseminare und Instagram-Feldzüge leid. Ich bin ungebetene Ratschläge leid. Aber am meisten bin ich es leid zu hören, dass ein Kind wächst, wenn es mal ein paar Tage mehr Liebe und Aufmerksamkeit braucht. Schon mal daran gedacht, dass uns unsere Kinder von alleine sagen, was sie brauchen? Will er den ganzen Tag auf den Arm, dann bekommt er das. Schläft er nur bei mir, dann braucht er Nähe und die bekommt er. Schmeckt ihm Brei und er verträgt ihn super, dann kriegt er abends sein Gläschen mit Brei. Aber bestimmt bin ich ein Rabenvater, schließlich wickle ich nicht mit Stoffwindeln und gebe meinem Kind lieber ein Ben-U-Ron Zäpfchen, als ihn stundenlang unter Fieber leiden zu lassen.

A house is made of bricks and stone, a home is made of love alone.

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Ich bin in diesem Haus aufgewachsen, es war immer ein Ort an dem ich mich sicher und wohl fühlte, vor einigen Jahren bin ich dort ausgezogen um auf eigenen Beinen zu stehen.

Heute habe ich eine kleine Familie, der ich dieses Gefühl von Geborgenheit und Liebe geben möchte, die für mich in diesem Haus steckt.

Ich renoviere dieses Jahr das Elternhaus meiner Mutter um dann dort mit meiner Familie zu leben. Das Haus ist dann fast 100 Jahre alt und unser kleiner Sohn die sechste Generation die dieses Haus bewohnt.

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Der erste normale Abend

Babyhut schläft. Wir haben uns Tee gemacht und eine Platte aufgelegt. Wir liegen zusammen auf der Couch und genießen den Frieden.

Um kurz nach 18 Uhr kam der Anruf, dass sich die Blutwerte verbessert haben, das neue Medikament wirkt und keine der 9 Bluttransfusionen war mit mit Hep C oder HIV kontaminiert. Alle Tumormarker sind negativ. Wie nach einem langen Winter brechen das erste Mal wieder Sonnenstrahlen in unsere Welt. Klar die Thrombose ist noch da, aber unser ganzes Leben normalisiert sich.

Einfach auf der Couch sitzen, ihr Bein auf meinem Schoß, auf dem Plattenteller dreht sich Seite B der Moon Safari von AIR und unser gesundes, abenteuerlustiges Kind schläft im Schlafzimmer in seinem eigenen Bett. Es hat vier Monate gedauert bis unser Leben mal so war, wie wir es uns vor der Geburt vorstellten. Vier verdammt lange Monate, voll Ängsten, Tränen und Verzweiflung. Aber jetzt heute ist es das erste Mal so idyllisch wie erträumt. Es fühlt sich an wie Frieden.

Irgendwann…

Ja irgendwann werde ich diesen Blog wieder füllen. Irgendwann werde ich die vielen schlimmen Dinge, die uns passiert sind, aufschreiben. Irgendwann werden es nur noch Narben sein, die nicht mehr weh tun. Irgendwann werden wir an den Anfang des Jahres 2014 zurück denken und sagen “Man war das ne harte Zeit!”. Irgendwann werden wir unser Leben wieder normal führen können. Irgendwann werde ich nicht bei jedem Stolperstein erschrecken und von Sorgen gelähmt werden. Ja, irgendwann wird alles wieder gut. Wahrscheinlich sogar besser als es je war. Schließlich sind wir jetzt Drei.

Hobby: Fett sein

dermitdemhut:

So viel Respekt für diesen Artikel, mir fehlen die Adjektive.

Ursprünglich veröffentlicht auf katikuerschmeckert:

Ich bin fett. Das sage ich nicht als “uh, ich bin normalgewichtig, aber dennoch weit vom gängigen Schönheitsideal entfernt!”, sondern ich habe wirklich beachtliches Übergewicht.

Ich war schon immer auf der dicken Seite des Lebens.

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Sport und Bewegung waren nie mein Ding. Ich habe schon als Kind viel lieber gelesen als draußen zu spielen. Meine Eltern haben mich erst spät bekommen (Mutter war 39, Vater 42) und hatten als selbständige Gastronomen mit drei weiteren Kindern nicht besonders viel Zeit für mich. Wenn ich gequengelt habe, hat man mir halt Schokolade gegeben, damit ich ruhig bin. Nicht die beste Erziehungsmethode, aber hey.

Als Teenager war ich weiterhin übergewichtig und Sport war eine Qual, insbesondere Schulsport. Trotzdem habe ich mich viel an der frischen Luft bewegt, war viel Fahrrad fahren, mit Freunden im Schwimmbad und bin spazieren gegangen. Rückblickend betrachtet frage ich mich, wieso ich mich wegen meines Gewichts so fertig gemacht…

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Jahrescharts

Wer Musikmagazine liest, der kennt die beliebten Jahrespolls. Wer mich kennt weiß, dass Musik ein riesiger Teil meines Lebens ist. Daher möchte ich euch die Alben zeigen, die dieses Jahr erschienen und mir besonders wichtig waren.

Platz 10 – Citizen – Youth

Gute Stimmung für Nachmittage am Skatepark. Das Album war eine Beilage in der VISIONS und ich war sofort in das Cover und die Stimmung vermittelt. Es ist als hätte der verzweifelte Jugendliche in mir, der noch da ist, aber die Welt heute durch die Augen eines Erwachsenen sieht, gelernt Songs zu schreiben und schreit sein Leid in die Welt hinaus.

Anspieltipp: Roam the Room

Platz 9 – Amenra – Mass V

Liturgischer, Stimmungsvoller Sludge. So erdrückend und düster, dass man mit guter Laune fast nicht hinhören kann. Perfekter Soundtrack für matschige Tage in zu vollen Zügen. Aber man muss es doomig mögen.

Anspieltipp: Boden

Platz 8 – Junip – Junip

Mein persönliches Sommeralbum. Wer auch immer mir damals den Link in die Twitter-TL gepostet hat, ich bin dir ewig dankbar!

Anspieltipp: Line of Fire, Your Life Your Call

Platz 7 – Ghost – Infestissumam

Eine geheimnisvolle Band mit okkultem Thema und verdammt geilen Surfrock-Orgeln. Etliche Stunden auf Fahrrad und Skateboard hat mich dieser Sound durch das Jahr begleitet. COME TOGETHER AS ONE, FOR LUCIFERS SON!

Anspieltipp: Secular Haze, Ghule/Zombie Queen, Monstrance Clock

Platz 6 – Espen and the Witch – Wash the Sins not only the Face

Mal zur Abwechslung etwas düsteres… HAHA… also ich Esben and the Witch das erste mal im Radio (JA! im Radio, danke hierfür an ON3, das es nicht mehr gibt) hörte, dachte ich mir “FUCK, wer hat da Pop und Black Metal gemischt!?!”. Stimmungsvoll, atmosphärisch und mit jeder Menge Druck. Augen zu machen und sich auf eine akustische Reise durch Island und Skandinavien mitnehmen lassen.

Anspieltipp: Iceland Spar, Smashed to Pieces in the Still of the Night

Platz 5 – boysetsfire – While a Nation sleeps

Ich stehe irgendwo zwischen Enttäuschung und Freudentaumel wenn ich an dieses Album denke. Seit BSF bekannt gaben, dass sie es noch einmal miteinander probieren und auch nach der ersten Tour 2011 war ich voller Vorfreude auf dieses Album. Am Release-Tag flatterte die Schallplatte mit der Post ins Haus und nach dem ersten und zweiten Durchlauf stand fest, dass es schon mal kein totaler Reinfall ist. Aber es eben keine After the Eulogy. Es ist kein Meilenstein. Es ist ein gutes Album und ich habs öfter gehört, als manche andere Alben, die in dieser Liste noch kommen, aber eher da boysetsfire eine meiner Lieblingsbands ist. Das Album macht Spaß, aber der Langzeiteffekt fehlt. Gutes Songwriting und extrem gutes Sampling. Hits gibt es auch. Wahrscheinlich habe ich eben einen neuen Meilenstein des Posthardcore erwartet und nicht bekommen.

Anspieltipps: Wolves of Babylon, Altar of God, Everything went black

Platz 4 – Biffy Clyro – Opposites

Wieder eine Band, die ich erst dieses Jahr kennenlernte. Leider! Ich liebe Mitsing-Alben. Bei Opposites singe ich jeden Song mit. Jede Zeile. Summe jede Melodie. Es geht ins Ohr und von dort nie wieder weg.

Anspieltipp: Different People, Victory over the Sun

Platz 3 – Russian Circles – Memorial

Postrock, der instrumental daher kommt ist nicht Jedermanns Sache, ich persönlich liebe es. Russian Circles brauchen auch keinen Gesang, die Stimmung (wär hätte es gedacht) ist düster und bedrückend. Aus den Songtiteln, kryptisch und uneindeutig, ergeben sich Bilder und Geschichten im Kopf. Und plötzlich kommt im letzten Track Chelsea Wolfe daher und besingt ein Lied.

Anspieltipp: 1777, Memorial

Platz 2 – Deafheaven – Sunbather

Wer an Black Metal denkt, der denkt an Norwegen, Satanismus, düstere Nadelwälder, schwarze Klamotten und Tolkien. Deafheaven haben davon nichts. Nicht mal ein unleserliches Bandlogo. Trve Hipsterian Black Metal eben. Ich liebe dieses Album. Vom Ersten Takt an. Es hat mir einen völlig neuen Horizont gezeigt. Eigentlich war Black Metal nie so 100% mein Fall. Sunbather hat mir Black Metal erklärt. Hat mir die Melodien gezeigt und hat mir gezeigt, dass es nichts mehr mit dem Black Metal der 90er zu tun hat. Oder das sich das Genre nie verändern kann. Ich hab selten so schöne Melodien in so harmoniefeindlicher Umgebung gefunden. Da Album ist ein Gedicht und jede Note ist perfekt so wie sie ist.

Anspieltipp: Dream House, Sunbather

Platz 1 – Queens of the Stone Age – …Like Clockwork

Eigentlich muss man zu QUotSA gar nicht viel sagen. Das Album ist eine konsequente Fortsetzung der durch die Bank guten Alben die diese Band heraus gebracht hat. Ich hab das Album bei schlechter Laune, bei guter Laune, in der Sonne, bei Regen, am Tag und in der Nacht, zum Sport oder zum Mittagsschlaf, beim Arbeiten und beim Warten gehört, es hat immer gepasst. Es ist ein Soundtrack für den Alltag und ein Meisterwerk. Das beste Album das dieses Jahr erschien und ein stetiger Begleiter für mich gewesen.

Anspieltipp: The Vampyre of Time and Memory, Fairweather Friends, If I had a Tail

 

 

 

Ich hoffe ich konnte ein paar Anregungen geben. Ich hoffe ihr habt Spaß. Vielleicht liebt ihr Musik auch so sehr wie ich und habt eure Jahrescharts schon gemacht. Oder ihr wollt welche machen. Dann postet doch den Link bitte als Kommentar. Ich will ja nicht, dass mir ein geniales Album entgeht!

Toskanastilhäuser

Wenn ich durch deutsche Neubaugebiete fahre spüre ich ganz tief in mir drinnen Schmerzen, schwere sogar. Zu den verkappten Almhütten und den aus dem Katalog bestellten Fertigteilreihenhäusern, denen die Besitzer vergeblich versuchen Leben einzuhauchen, hat sich in den letzten zehn Jahren ein weiterer Haustyp dazu gesellt, der mir als gestaltungsempfindamen Menschen schwer in der Seele weh tut. Das Toskanastilhaus.

Wie der Name schon sagt ahmt das Haus nur einen bestimmten Stil nach. Es behauptet durch seine Namen, das es den Baustil der Toskana beinhaltet, aber nicht mal bei seiner Namensgebung ist dieses Gebäude ehrlich. Doch zunächst Fragen sich vielleicht einige, was für Häuser ich genau meine. Sogenannte Toskanastilhäuser haben meist einen quadratischen Grundriss, zwei Vollgeschosse, ein flachgeneigtes Walmdach, raumhohe Plastikfenster und einen geschmacklosen terracottafarbenen Anstrich. Jeder hat diese Art Haus wohl schon einmal gesehen.

Um zu verstehen, warum diese Häuser nun in meinen Augen architekturtheoretisch so schrecklich und verwerflich sind, muss in die Geschichte gehen. Die heutigen Toskanastilhäuser sind Kopien des italianaten Stils. Dieser geht wiederum aus der italienischen Architektur des 16. Jahrhunderts hervor, wo er sich mit dem angelophoben Weltbild des 18. Jahrhunderts vereint. Wir sind also bereits hier bei einer Kopie und Entfremdung eines eigentlichen Baustil. Die Idee der Neorenaissance war für die englischen Gentleman dahingehend interessant, da die italienische Architektur für sie Anmut und Eleganz darstellte. Sie bauten so ihre ländlich gelegenen Wochenendhäuser. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die anfangs verspielten Landhäuser zu viel strengeren und formaleren Bauwerken. Gleichzeitig verlor die britische High-Society ihr Interesse an dieser Art zu bauen, da sich der Stil zunehmend in den USA und Nordeuropa ausbreitete und an Beliebtheit gewann.

Der italianate Stil ist jedoch von den heutigen Toskanastilhäusern zu unterscheiden. Sie teilen sich zwar Merkmale wie das flachgeneigte Dach und hohe schmale Fenster, doch leider weisen die heute gebauten Häuser keinerlei Verspieltheit in Gestaltung und Formensprache, zum Beispiel in konsolengestüzten Dachtraufen oder der Entwässerung, auf. Die Ästhetik geht im Maßstab verloren, was einstmals italienische Villen schmückte und Eleganz verlieh ist nicht auf die große eines europäischen Einfamilienhauses herunterzubrechen. Der Bautyp hat seinen Sinn sich im wild gewachsenen Landschaftsbild oder im angelgten Naturpark einzupassen, nicht im deutschen Neubaugebiet und in urbanisierte Dorfbereiche, welche sich durch stets getrimmten “Sport- und Spielrasen” und durch eine Buchsbaumhecke auszeichnet.
Architekturgeschichtlich gesehen ist die heutige Bauweise also ein Rückschritt. Denn es entstanden aus dem ehemals italianaten Villenstil um 1900 die typisch amerikanischen, viktorianischen Villen und Stadthäuser, die das Stadtbild vieler Großstädte der USA noch heute prägen. Klassische Beispiele hierfür sind San Francisco und New York. Aus diesen entwickelte sich später konsequent die Klassische Moderne.

Warum wollen also deutsche Bauherren Häuser bauen, die geschichtlich entfremdete Kopien von Renaissancebauten, unter weiterer Verfremdung, erneut kopieren?
Wahrscheinlich weil sie es nicht besser wissen und es schön finden. Leider fußt dieses Schönheitsverständnis auf einer fehlgeleiteten Interpretation moderner Architektur verbundeb mit der Angst vor Neuem. Menschen, die sich solche Häuser bauen lassen wollen schicke, moderne Wohnhäuser, die am besten auch noch energetisch auf Höchstform sind, aber sie fürchten sich gleichzeitig vor der typischen architektonischen Kälte der heutigen Architekturlehre, und zu guter Letzt mit dem Ammenmärchen man könne heutzutage immer noch keine völlig dichten Flachdächer herstellen. Hier kann man gut erkennen welche Schäden aus unwissen, schlechter Beratung und Angst entstehen können.
Ein andere Grund, beziehungsweise eine Folge der vorherigen Schilderung ist, dass durch das angetriebene bauen dieses Haustyp es sich zu einer Mode entwickelt hat. Durch Globalisierung und größere internationale Verknüpfungen wird die regionale Identität schwächer. Man baut sich sein Haus so wie man Urlaub macht. Toskanastilhäuser in Hessen, Reetdachdeckung in Oberbayern und frankisches Fachwerk im Saarland. Diese stilistische Vermischung führt jedoch nicht zu einer internationalen Architektursprache, wie sie schon die Meister der klassischen Moderne schaffen wollten, sondern zu einem Identitatsverlust der einzelnen Regionen. Man könnte fast meinen die Menschen fühlen sich nicht mehr wohl. Das tragischen ist nicht der Verlust einer Bautradition, aber das ersetzen dieser durch eine regional anders gewachsenen ist es.

Vermeintliche energetische oder nutzerabhängige Vorteile sind von der Hand zuweisen. Der toskanische Baustil hat gegenüber klassischen oder modernen Bauweisen weder vor noch Nachteile. Man kann an dieser Stelle nur an Architekten, Bauherren und Städtebauer appellieren sich einer modernen, internationalen Architektur zu öffnen, mutig zu sein neue Ideen umzusetzen und diese von Seiten der Staatsgewalt dann auch zu zulassen. Bevor man, aus Angst vor einem Flach- oder Pultdach, dem Haus ein verkrüppeltes Hütchen als Dach aufsetzt, solle man sich lieber den klassischen Dachformen von Sattel- oder Walmdach zuwenden. Anstatt hohe Fensteröffnungen sinnlos in den Fassadenraum zu stellen, muss man Position und Form von Öffnungen an Nutzung, Aus- und Einblicke anpassen.

Es gibt keine hässliche und auch keine schöne Architektur, aber es gibt sehr wohl richtige und falsche. Toskanastilhäuser sind in deutschen Dorfgebieten ganz sicher falsch. Der toskanische Baustil ist eigentlich überall falsch, außer vielleicht in der Toskana, aber da wird er nur benutzt um Ferienhauskolonien für deutsche Urlauber zu bauen.